Mental vorbereiten

Wie ich schon im letzten Beitrag berichtete, habe ich einen neuen „Terminblocker“ für den großen Tag erhalten. Sollte der Pulmologe sein Okay geben, werde ich meinen Magenballon am 07.09.2020 erhalten.

Hierzu ist es absolut notwendig, mich jetzt schon einmal Mental darauf vorzubereiten.

Das Einsetzen des Magenballons dauert ca. 20 – 30 Minuten. Anschließend verbringt man noch ca. 2 -3 Stunden in der Praxis, um sicher zu gehen, dass es nicht doch noch zu Komplikationen oder Überreaktionen durch die Narkose kommt.

Um so viel Komplikationen wie möglich auszuschließen, sollte man zwei Tage vor dem Einsetzen des Ballons mindesten 4 Liter Flüssigkeiten täglich zu sich nehmen.

24 Stunden vor dem Eingriff darf man nichts mehr essen, sondern es ist nur noch trinken von Wasser oder Tee erlaubt. Ca. 4 Stunden vor dem Eingriff darf dann auch nichts mehr getrunken werden.

Als Nebenwirkung nach dem Einsetzen wurde mir folgendes mitgeteilt:

Nicht selten leiden Patienten nach dem Eingriff für bis zu einer Woche lange unter Übelkeit und Erbrechen. Der Magen muss sich erst an den neuen Mitbewohner gewöhnen. Auch kann es zu Bauchschmerzen, Schwindelgefühlen oder Sodbrennen kommen. Hierbei ist es in den ersten Tagen unbedingt wichtig, mindestens 3 Liter pro Tag an Flüssigkeiten wie Wasser oder Tee zu trinken.

In den ersten 2 Tagen darf man ausschließlich flüssige Nahrung zu sich nehmen. Das können beispielsweise ein halbes Glas fett-reduzierter Trinkjoghurt oder Magermilch sein. Ab dem 3. Tag geht eine kleine Schlüssel pürierte Suppe oder Brei. In den Foren und auf diversen anderen Blogs habe ich auch schon als Tipp gelesen, dass Babynahrung für ein verträgliches Sättigungsgefühl sorgt.

Menüplan für Tag 2 & 3 nach dem Eingriff

Frühstück: 100 ml magerer Trinkjoghurt

Vormittag: 50 ml Magermilch

Mittag: 100 ml pürierte, magere Suppe + 50 g Magerjoghurt

Nachmittag: 50 ml ungesüßter Apfelsaft

Abend: 100 ml pürierte, magere Suppe + 50 g Magerjoghurt

20 Uhr: 50 ml ungesüßter Apfelsaft

Gerade in den ersten Tagen ist es ratsam, keine scharfen Gewürze, Orangen- oder Traubensaft und kohlensäurehaltigen Getränke zu sich zu nehmen. Der Magen versucht gerade am Anfang den Ballon zu verdauen und leistet Schwerstarbeit.

Menüplan für Tag 4 nach dem Eingriff

Frühstück: 100 ml magerer Trinkjoghurt

Vormittag: 50 ml Magermilch

Mittag: 1 EL Kartoffelbrei, 1 EL weich gekochtes, püriertes Gemüse (Karotten, Spinat oder Sellerie, etc) 1 Rührei oder 30 g gekochtes Fischfilet

Nachmittag: 50 ml ungesüßter Apfelsaft

Abend: siehe Mittagessen

20 Uhr: siehe Nachmittag

Menüplan für Tag 5 nach dem Eingriff

Frühstück: 1 Scheibe Weißbrot mit Hütten-, Frisch- oder mageren Streichkäse

Vormittag: 50 g pürierte Früchte oder magerer Trinkjoghurt

Mittag: 1 EL Kartoffelbrei, 2 EL weich gekochtes Gemüse unpüriert, 30 g weiches Hähnchen, leicht gebraten

Nachmittag: siehe Vormittag

Abend: 1 Scheibe Weißbrot mit Hütten-, Frisch- oder Streichkäse

20 Uhr: siehe Vormittag

Zu Beginn der zweiten Woche hat sich der Köper meist an den Magenballon gewöhnt und es ist wieder erlaubt, kleinere Portionen „normalen“ Essens zu sich zu nehmen. Jetzt kommt es darauf an, mit der Ernährungsumstellung zu beginnen. Wichtig ist jetzt, sich genügend Zeit zum Essen und vor allem zum Kauen zu nehmen! Durch schnelles Essen und das Herunterschlucken von zu großen Stücken kann es zu Erbrechen kommen.

Die Empfehlung lautet hier, sich mindestens 30 bis 40 Minuten Zeit zum Essen zu nehmen. Dabei kann eine Sanduhr, eine Stoppuhr oder der Timer im Handy sehr gute Dienste leisten. Jeder Bissen sollte 20 Mal vor dem Schlucken gekaut werden. Essen vor dem Fernseher oder mit Ablenkung durch den PC oder das Handy sollte auch vermieden werden.

Als buddhistischer Mönch, der ich einmal für eine Zeitlang war, praktizierten wir eine einfache Grundregel, die ich mir jetzt wieder zu eigen machen sollte:

Wenn ich esse, dann esse ich. Wenn ich trinke, dann trinke ich. Wenn ich arbeite, dann arbeite ich. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich.

Diese Regel lässt sich beliebig fortsetzen und meint einfach nur, dass ich fokussiert auf mein augenblickliches Tun sein sollte. Frei von ablenkenden Einflüssen oder Gedanken. So kann ich auch während des Essens auf die Signale meines Körpers hören und bekomme wieder mit, wenn der Magen mir sagt, dass es genug ist. Das Sättigungsgefühl sollte wie eine Klingelzeichen sein; sobald der Körper meint, er hätte genug, ist Schluss ich höre auf zu essen. Egal wie viel noch auf dem Teller liegt, egal wieviel noch im Topf wartet.

Das wird eines der spannendsten Lehren sein, auf die ich durch den Magenballon hoffe. Ich gestehe mir ein, dass ich in den letzten Jahren verlernt habe, auf genau dieses Klingelzeichen meines Magens zu hören. Essen ist für mich eines der größten Genussmomente. Ich liebe es ausgefallene Gerichte zu kochen und auszuprobieren! Ich habe wahre Köstlichkeiten im Repertoire meiner Kochkünste und begeistere nicht nur mich, sondern meine Freunde und Gäste mit den herrlichsten Gerichten. Dabei achte ich schon immer auf eine gute Auswahl an Zutaten.

Jedoch genau hier liegt mein Problem! Ich bin besessen vom Essen und kreiere ohne Maß und Verstand, als wäre so ein Menü ein Kunstwerk und nicht einfach nur ein Essen.

Die Portionsgrößen – wieviel Gramm pro Portion – sollten schon vor dem Zubereiten mehr beachtet werden. Ist der Teller voll, wird auch meist ohne Hemmungen leer gegessen. Ich bin ein Enkel der Kriegsgeneration und ein Kind von Eltern, die kurz nach dem Kriege, also noch in den „Hungerjahren“ geboren wurden. In der Zeit, als ich aufwuchs, gab es immer genügend Essen. Essen war ein Statussymbol und wenn Gäste kamen wurde ordentlich aufgetischt! Diese Kindheitserfahrungen haben mich bis heute geprägt.

Der Magenballon wird mir hoffentlich dabei helfen ein neues Maß zu finden. Ich werde 12 Monate lang Zeit haben, mich durch die permanente Füllung im Magen, an kleinere Portionsgrößen zu gewöhnen. Der ganz große Vorteil des Magenballons ist dabei der Mechanismus, der ausgelöst wird, sobald der Magen zu voll ist. Dann spuckt man automatisch das Zugeführte wieder aus. Der Speisebrei muss erst einmal am unflexiblen Ballon vorbei kommen.

Im nächsten Bericht werde ich Euch einmal über einen Selbstversuch berichten. Ich habe im Vorfeld des Eingriffes schon einmal vor, die verschiedenen Menüpläne und Portionsgrößen auszuprobieren. Ich möchte ein Gefühl davon bekommen, wie es sich anfühlt mit dem wenigen Essen und ohne sättigenden Ballon auszukommen. Außerdem möchte ich mich jetzt schon einmal um entsprechende Rezepte wagen, die Magenballon freundlich sind.

Es lohnt sich also diesen Blog zu abonnieren.

Euer Stephan

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

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