Bin ich aufgeregt

Es ist jetzt kurz vor Fünf. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so aufgeregt war. Die Nacht war durchtränkt mit billigen Träumen, an die man sich zum Glück nach dem Aufwachen nicht mehr erinnern kann.

In Gedanken gehe ich immer wieder die Situation durch, in der ich mich gerade befinde. Ist das wirklich so richtig, was ich hier mache? Letztlich wird mir gerade klar, dass das heute mein Leben gehörig durcheinander bringt. Zumindest für das nächste Jahr. Ich werde so schnell nichts mehr von den gewohnten Verhaltensweisen leben können. Mein Alltag wird sich sehr verändern werden.

Das elementare im Leben ist das Essen, die Nahrungsaufnahme. Bisher konnte ich problemlos einfach einkaufen gehen und habe mir besorgt worauf ich Lust hatte. Ich habe dabei selten auf die Mengen geachtet. Selbst wenn ich mir Kochanregungen auf diversen Rezeptforen angesehen habe, hielt ich mich selten an die Maßangaben.

Das geht schon los mit dem Fleischeinkauf. Oft sind in den Supermärkten die Waren in Plastik eingeschweißt und vorbestimmt, wie viel von der Menge mindestens gekauft werden müssen. Es ist nie nur ein Schnitzel in der Packung! Meist drei oder vier. Auch bei der Wurst kann ich nie sagen, ich hätte gerne 3 Scheiben hiervon und 4 davon. Das ist auch beim Käse oft so.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns aufoktroiert wird, wieviel wir kaufen müssen. Ich kann dem nur entgehen, wenn ich einen Laden finde, der noch vom Stück abschneidet und individuell auf die Mengenwünsche seiner Kundschaft eingeht. Leider hat das seinen Preis, denn oft ist es hier dann teurer.

Wie wird es also dann jetzt in Zukunft sein, wenn ich den Magenballon habe? Schmeiße ich demnächst mehr Essen weg? Eigentlich reicht mir demnächst schon der berühmte „Räuberteller“, um satt zu werden.

Ein anderer Punkt wird sein, wie ich auf Gastgeber wirke, wenn ich irgendwo zum Essen eingeladen werde und nur 1 Eßlöffel hier und 1 Gabel davon esse und an der Scheibe Fleisch nur herum nage. Muss ich mich jedesmal rechtfertigen? „Nein, tut mir leid, es schmeckt mir hervorragend, aber ich habe einen Magenballon, damit ich abnehmen kann, weil ich mich sonst nicht unter Kontrolle habe!“

Seltsame Vorstellung. Aber ich bin dennnoch zuversichtlich und denke, dass ich durch diese Höhen und Tiefen durchkommen werde. Ich hoffe so sehr darauf, dass mir der Blick in den Spiegel Kraft gibt, dass ich durch das Gefühl der neuen Leichtigkeit, neue Energie bekomme. Wenn meine jetzigen Klamotten nicht mehr kneifen und T-Shirts wieder genauso lang vorne hängen, wie hinten und nicht durch die Wampe nach oben gehoben werden, wodurch der Bauch unten herausschaut.

Das Gefühl sich wieder nach unten bücken zu können, um sich die Schuhe anzuziehen! Ohne Schlaufen und der Ohnmacht nahe die Treppen hoch zu steigen! All das, erhoffe ich mir so sehr von meinem Eingriff heute, all das soll mein Leben komplett ändern und mir eine lang verlorengegange Leichtigkeit zurück geben.

Ich möchte nicht unhöflich sein, aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es ohne Bauch und Übergewicht wesentlich einfacher ist im Leben.

Ich habe in 2006, als ich nach vielen Jahren aus Thailand zurück nach Deutschland gekommen bin, nur 75 Kilo gewogen! Da möchte ich unbedingt wieder hin! Das ist mein Traum und den werde ich ab sofort nicht mehr aus den Augen verlieren sondern ihn mir ständig in Erinnerung rufen, wenn ich an meiner Aktion zweifeln werde.

Bleibt also dran und lest schon in wenigen Stunden, wie der Eingriff war und es sich anfühlt, einen Spatz im Bauch zu haben.

Euer sehr aufgeregter Stephan, dem grad der Magen knurrt, als hätte er ein Rudel Wölfe im Laib.

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

2 Kommentare zu „Bin ich aufgeregt“

  1. Hallo Stephan,
    habe keine Ahnung zu welcher (vielleicht nachtschlafenen Zeit) du diese Gedanken liest. Eines sollst du wissen: Unsere Gedanken sind bei dir und auch ich wünsche dir von ganzem Herzen baldige Genesung und dass du „das Kleine“ als ein hilfreiches Geschenk betrachten kannst.

    Ich kann mir vorstellen, dass du gestern noch ziemlich zu tun hattest, deinen Narkoseschlaf aufzulösen und dass es dir nicht nach Berichteschreiben war. Das alles ist ja nicht unnormal. Lass dir Zeit, deinen Körper und deine Psyche ein bisschen einzuordnen. Die Foren – oder Bloggemeinde wird deine Erlebnisse noch früh genug erfahren.

    Indem ich der guten Hoffnung bin, dass dein Eingriff ohne unerwartete Komplikationen verlief, sende ich derweil einen aufbauenden Gruß.

    Herzlich Wolfgang

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    1. Lieber Wolfgang,
      es tut gut zu wissen, dass es so viele Interessierte gibt, die mit mir mit fiebern.
      In der Tat ging es mir die letzten 72 Stunden sehr schlecht, nachzulesen im neuesten Blogbeitrag.
      Aber die Lebensgeister kommen zurück und ich schaffe es wieder, am PC zu sitzen und meine Post zu erledigen.

      Ab heute kommen wieder regelmäßig neue Berichte.
      Versprochen!

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