Tag drei mit Ballon, ich lebe wieder!

Meine lieben Leserinnen und Leser, liebe Follower und Interessierte,

es tut mir leid, dass ich mich erst jetzt wieder melden kann, um zu berichten. Aber glaubt mir, das was ich die letzten 72 Stunden durchgemacht habe, war die absolute HÖLLE! Ich werde euch alle Details genau berichten und offen und ehrlich erzählen, was man so im Internet von keinem Probanden erfährt.

Ich kam also am 07.09. überpünktlich in der Privatpraxis meines Arztes an und wurde sogleich vom Anästhesisten in empfang genommen. Wie üblich hieß es erst einmal Formulare ausfüllen. Dann ging alles sehr schnell los. Mein Doc befragte mich ein letztes mal nach meinem Befinden und ob ich wirklich zu diesem Schritt bereit wäre. Als ich dies bestätigte, ging es auch schon los. Ich musste mir im Aufwachraum lediglich die Schuhe ausziehen und mich dann im Behandlungszimmer auf die Liege legen. Der Anästhesist und seine Assistenz legten mir einen Venenzugang, verkabelten mich und baten mich kräftig durch die Nase ein und auszuatmen. Dann war ich auch schon weg.

Das nächste, an das ich mich erinnern konnte, war, dass ich auf der Liege im Aufwachzimmer zu mir kam und nicht wusste, wie ich dort hin gekommen bin. Mir ging es soweit gut, noch spürte ich absolut nichts von meinem neuen Bewohner. Der Arzt schaute ab und an mal bei mir vorbei und meine Begleitung saß auch schon neben mir und passte auf mich auf. Die Sinne kehrten langsam alle wieder zurück und ich wurde von Minute zu Minute wacher. Bis hier her war alles in Ordnung. Ich bekam ein Glas Wasser und nahm kleine Schlückchen davon. Nach ca. 30 Minuten durfte ich mir dann die Schuhe anziehen und musste noch einmal ins Sprechzimmer zu meinem Doc.

Er erzählte mir, dass alles sehr gut verlaufen ist und dank des Anästhesisten es diesmal zu keinem Sauerstoffabfall gekommen wäre.

Mein Ballon hat eine Füllung von 500 ml Flüssigkeit bekommen, das wäre anhand meiner Magengröße eine ausreichend große Füllung. Dann bekam ich noch ein Rezept mit. Buskopan Plus Zäpfchen gegen eventuelle Magenkrämpfe und Vomex Zäpfchen gegen die Übelkeit. Damit wurde ich dann entlassen.

Mein Begleiter bestellte uns ein Taxi, denn ich wollte nur noch so schnell als möglich wieder nach Hause. Die Nachwirkungen der Narkose zeigten sich noch dadurch, dass ich etwas wackelig auf den Beinen war. Im Auto, wahrscheinlich durch die Fahrbewegungen, das Anfahren und Abbremsen und die Kurven, ging es mir plötzlich wieder schlechter. Ich war froh als wir meine Adresse erreichten und auch darüber, dass die Apotheke direkt neben uns ist. So konnten wir noch schnell die Zäpfchen besorgen und in den dritten Stock hoch gehen. Ich setzte mich auf die Couch und mir drehte sich alles.

Zum ersten Mal verspürte ich einen etwas seltsamen Gegenstand, tief in mir drinnen. Ich musste unweigerlich an den Wolf und die sieben Geißlein denken, an die Stelle, wo der Wolf aufwacht und meint, er hätte Steine statt Geißlein gefressen. Der Magen fing an den Gegenstand zu umfahren und tastete ihn von allen Seiten ab. Die Kanten des Ballons spürte ich an jeder Magenfalte entlangfahren und mir wurde plötzlich speiübel.

Sofort brauchte ich eine Schüssel und übergab mich heftig. Heraus kam lediglich Schleim und Schaum, aber ich musste ziemlich stark würgen, was meinen Oberköper ziemlich verkrampfen ließ. Dies sollte nicht das letzte Mal sein, dass es mich so derart überkam.

Okay, er ist wirklich in mir drinnen! Das begriff ich in der gleichen Sekunde. Ein Gegenstand, der sich anfühlt wie Beton. Rau und grobporig schliff er in einer Tour im Magen herum. Es ging rauf und runter, von rechts nach links und manchmal hatte ich das Gefühl, die Magenwände umfassen den Ballon von mehreren Seiten gleichzeitig.

Ich beschloss mich doch lieber ins Bett zu legen. Kaum lag ich, musste ich auch schon das zweite Mal heftig Brechen. Ich würgte und presste und krampfte und versteifte mich. Aber außer Schleim kam nichts heraus. So ging es den ganzen langen lieben Tag lang. Fast im zwei Stundenrhythmus musste ich mich übergeben, als hätte ich den Tod in mir, den es hieße auszuspeien. Mein Kreislauf fuhr sofort in den Keller und ich konnte mich kaum auf den Beinen halten, wenn ich zur Toilette ging, um die Schüssel auszuleeren.

Sobald ich auch nur einen Schluck Wasser zu mir nahm, ging die Prozedur von vorne los. Der Magen schmerzte und grummelte und bettelte mich an, dieses hässliche kleine Ding doch endlich wieder los zu werden. Ein Kampf, bei dem es keinen Sieger gibt. Und ich bin mir sicher, wäre der Ballon nicht so groß, hätte ich es mit all dem Mühen und Wehen geschafft, ihn bis ganz nach oben zu würgen, in Richtung Ausgang, um ihn mit aller Gewalt auszuspucken.

Noch niemals in meinem Leben habe ich mich derart übergeben müssen. Ich kann mich an so manchen schlimmen Magen erinnern, aber das, was ich da jetzt gerade durchlebte, hätte ich mir niemals vorstellen können. Die Schmerzen im Magen sind unerträglich gewesen. Mittlerweile fühle ich mich auch, als hätte mich ein Bus überfahren. Durch die Verkrampfungen des Oberkörpers beim Übergeben, habe ich einen Muskelkater im gesamten Oberkörperbereich. Ich bin mittlerweile nicht mal mehr in der Lage, einen kleinen Huster abzusetzen.

So verging der erste Tag und die erste Nacht im ständigen Rhythmus von sich übergeben müssen, bis hin zu viel zu viel Magensäure unter Kontrolle zu bekommen. Heftigstes Sodbrennen stellte sich ein und machte mir das Leben somit noch unbequemer, als es schon war.

Gut das mein Mann ständig Maaloxan zur Bindung der Magensäure im Hause hat. Damit war es zwischenzeitlich etwas verträglicher.

Mein Doc rief mich auch abends noch an, um sich nach mir zu erkundigen und gab mir Ratschläge. Er bat mir auch an, dass ich am nächsten Tag noch einmal in die Praxis kommen könnte, um eine Infusion zu bekommen, sollte ich zu wenig Flüssigkeit zu mir nehmen können. Überhaupt bin ich mit der Betreuung des Arztes sehr zufrieden. Wir telefonieren 2 Mal Täglich und er ist 24 Stunden telefonisch erreichbar, sollte ich ihn brauchen.

So vergingen also die ersten 48 Stunden meines neuen Lebens. Die Metamorphose ist bisher sehr schmerzhaft gewesen. Doch es gibt auch Hoffnung auf langsamere Besserung zu verzeichnen.

Heute am dritten Tag, nach einer etwas ruhigeren und „brechfreien“ Nacht, kommen die Lebensgeister wieder. Ich kann mittlerweile wieder Wasser in mir behalten und der Ballon gibt stundenweise auch schon mal ruhe, in denen ich ihn überhaupt nicht spüre. Das Sodbrennen wird weniger und einen befreienden Erfolg verspürte ich, als ich gestern Abend sage und schreibe 3 Esslöffel Trinkjoghurt in mir behalten konnte. Ich spürte den zarten, erfrischenden Geschmack des fruchtigen Joghurts wie einen Balsam die Speiseröhre hinunter gleiten. Zärtlich ummantelte er die schmerzenden Stellen, die durch die Reibung des Ballons arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das Rollen des Ballons war nun als sanftes drehen zu vernehmen. Endlich hatte er die Schmiere erhalten, die er so dringend brauchte.

Die letzte Nacht verlief wesentlich ruhiger und ich hatte weder Sodbrennen, noch verspürte ich meinen neuen Bewohner. Dennoch wackelig auf den Beinen und mit den Schmerzen des mich überfahrenden Busses im Oberkörper, schaffte ich es meine Tabletten zu nehmen und ein Minifrühstück von erneuten 3 Esslöffeln Trinkjoghurts zu genießen.

Das schönste und wundersamste Erlebnis hatte ich allerdings direkt nach dem Aufstehen! Nachdem ich, trotz der geringen Flüssigkeitszufuhr meinen Morgenurin in die Toilette entließ, stieg ich mit wackeligen Beinen auf die im Badezimmer stehende Waage. Sollte ich es wagen? Mich jetzt, nach so wenigen Stunden schon einmal zu wiegen?

Ich hielt es nicht aus und stieg nüchtern wie ich war auf dieses verhasste Gerät, das mir in den letzten Jahren nie das anzeigte, was ich gerne gesehen hätte. Mir schossen die Tränen in die Augen und ich fing vor Freude an zu zittern! Diese ganzen Qualen haben sich gelohnt, es durchschoss mich ein wundersames Gefühl der Erleichterung! Ich habe mit meinem Projekt Magenballon die richtige Entscheidung getroffen und bin standhaft geblieben! All meine Mühen wurden in dieser Sekunde das erste Mal belohnt! Die Zahlen schwankten zunächst, aber nach wenigen Sekunden blieben sie auf exakt 104,2 Kilo stehen. Das sind 6 Kilo weniger! Ganze 6 Kilo! Und es heißt für mich, ich bin nur noch 4 Kilo davon entfernt, wieder einmal unter die 100er Marke zu rutschen! Dieses Gewicht hatte ich zuletzt vor rund 7 Jahren.

Das Gefühl der Freude darüber entlohnte mich wirklich für all die Qualen. Es geht in die richtige Richtung und von Stunde zu Stunde wird es jetzt besser und besser werden!

Ich hoffe ich konnte Euch nun mit diesem Bericht beruhigen und Mut machen. Ihr nehmt so regen Anteil an meiner Geschichte! Danke dafür.

Auch möchte ich all den Freunden und Kollegen und auch Menschen, die ich gar nicht kenne, für Ihre lieben aufmunternden Worte und Zusprüche danken, die mich über die Messenger und E-Mails erreicht haben.

Von nun an bin ich wieder fit genug, um regelmäßig über mein Projekt zu berichten. Bleibt also dabei und bleibt gespannt, was sich demnächst hier noch so tun wird.

Euer glücklicher Stephan

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

5 Kommentare zu „Tag drei mit Ballon, ich lebe wieder!“

  1. Hallo Stephan,
    Glückwunsch zur Entscheidung und schön, dass Du die ersten problematischen Tage hinter Dir hast!

    Gut kann ich das nachfühlen, vor zwei Monaten habe ich den meinigen bekommen – die erste Woche war definitiv nix für Anfänger, am dritten Tag hätte ich mir den Ballon fast explantieren lassen…

    10 Kilo hab ich runter, der Löwenanteil entfiel hierbei auch auf die ersten beiden Wochen, bestimmt auch ne ganze Menge Flüssigkeit, kein Wunder, angesichts der Speiberei.

    Derzeit bewegt sich leider nix mehr und ich weiß auch wieso: der Magen gewöhnt sich dann doch wieder an die früheren Mengen und wie so viele essen wir ja nicht, weil wir Hunger haben, sondern weil es uns so schmeckt.

    Was wirklich stimmt ist, dass man kein bohrendes Hungergefühl hat. Man könnte also auch deutlich weniger bis gar nix essen, wenn es lediglich um das Hungergefühl geht.

    Der Appetit allerdings wird durch den Ballon nach den ersten vier Wochen zumindest bei mir nicht mehr beeinträchtigt, es liegt aber nicht am Ballon, sondern an der fehlenden Selbstdisziplin – zumindest ich will offenbar einfach nicht auf die Lust am Essen verzichten.

    Hoffentlich gelingt es Dir, Dich auch dauerhaft mit kleineren Mengen zufrieden zu geben.

    Alles Gute wünscht Dir

    der Hannes

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    1. Lieber Hannes,
      Danke dir auch für deine aufmunternden Worte und deine eigenen Erfahrungen, die du hier mit mir teilst.
      Ab wann hast du denn wieder richtig essen können? Momentan ist bei mir noch überhaupt kein Hunger da und ich zwinge mich eher zu essen, damit der Kreislauf wieder in Schwung kommt.

      Würde mich freuen wenn du dich mal wieder meldest.

      Gruß Stephan

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  2. Lieber Stephan,
    danke für Deinen ausführlichen Bericht! Ich habe beim Lesen regelrecht mitgelitten und bin sehr froh, dass es jetzt wieder aufwärts geht. Nach wie vor finde ich Deinen Mut, diesen Schritt zu gehen wirklich bewundernswert und wünsche Dir weiterhin alles Gute. Gib nicht auf, Du bist bestimmt auf dem richtigen Weg!

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  3. Hallo und herzlich willkommen lieber Stephan, im zweiten Leben.

    Deine Magenballon-Aktion ist nicht nur ein bisschen wie Schwangerschaft, sondern auch wie Ostern. Über 3 Tage ist der Herr auferstanden.
    Spaß zur Seite, dein Bild zum Thema „Drei Tage mit Ballon“ sagt alles u. dürfte dennoch nicht hinreichend vermitteln, wie es dir ergangen ist.

    Ein bisschen allerdings muss ich dir widersprechen, wenn du schreibst: Ich werde euch alle Details genau berichten und offen und ehrlich erzählen, was man so im Internet von keinem Probanden erfährt.
    Stephan, es gab Hinweise, die du nicht so gerne hören wolltest und du hast mehrfach betont, dass du DEINEN WEG gehen willst (ich setze mal hinzu: egal was dagegen spricht).
    Zunächst sind deine Leidensgenoss/innen von der AC-Truppe, wie auch deine interessierten Follower sehr froh, dass du wieder krabbeln kannst, dass du erste Abnahmeerfolge vermeldest und dass du am Ende dieses Berichts schreiben kannst: „GLÜCKLICHER STEPHAN“.
    Dein Weg hat eine wichtige Etappe genommen und du darfst dir das grüne Trikot anziehen. (grün steht in diesem Fall für Hoffnung) Du wirst dich mit mehr und manchmal auch weniger Engagement deiner selbstgestellten Herausforderung stellen. Da bin ich ziemlich sicher. Das Jahr wird relativ schnell zu Ende sein und du wirst „entbinden“ . Aber dann beginnt dein Kampf erst richtig, weil das nach der „Entbindung“ entstandene Vacuum bei jeder Mahlzeit fragt: „und ich?“

    Lieber Stephan, genau so wenig, wie man dir gewaltsam vom Magenballon abgeraten hat, wird man dir die Motivation für das „Danach“ madig machen. Die reduzierte Essensmenge, die du dir während der „Ballonträgerschaft“ vermutlich angewöhnen wirst, erfährt aber nach der „Entbindung“. (Ich komme einfach von diesem Bild nicht weg) eine Veränderung.
    Da frage ich mich natürlich schon, ob sich die Mühen und der finanzielle Einsatz gelohnt haben. Natürlich verstehe ich, dass dir die Möglichkeit der Gewichtsabnahme ohne Organveränderung interessant vorkommt und ein bisschen ist es wie damals, vor 20 Jahren, auch bei der Magenband-Offensive gewesen. Auch da hat man nichts weggeschnitten. Heute weiß man um die Nachteile und ist auf anderen OP-Techniken gekommen. Ob diese allerdingst nachhaltiger sind im Sinne einer gesunden Lebensführung, steht auf einem anderen Blatt. Sein kann es m. M. nach schon.

    Nun wünsche ich dir von ganzem Herzen ein gelingendes Jahr und ein damit verbundenes, verbessertes Lebensgefühl. Dieses kann durchaus helfen, dass du den „Schwung“ in die weiteren Jahre nimmst und dass deine Psyche dir die Kraft dazu gibt.

    Herzlich Wolfgang

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