Tag 5 und es wird gaaaanz langsam besser

Wieder sind zwei Tage vergangen, in denen es immer noch auf und ab geht. Es ist schon ein sehr merkwürdiges Gefühl, wenn man den eigenen Körper plötzlich so deutlich vernimmt. Er sendet dauernd Signale aus und ich entdecke meinen Bauchraum gerade völlig neu.

Mein kleiner Spatz und mein Magen freunden sich auch so langsam mehr und mehr an. Das Reiben an den Magenwänden wird besser erträglich und tut auch schon nicht mehr so dolle weh. Am Besten funktioniert das Zusammenspiel allerdings, wenn genügend Nahrung im Magen ist. Nie hätte ich gedacht, dass Essen – Kauen – Schlucken – Genießen – Wohlfühlen so meditativ sein können. Ich hatte ja bereits in meinem Ess-Periment davon berichtet und die Suppe mehr zelebriert, statt gegessen. Nun ist es aber mit dem Spatz in mir bei jeder Mahlzeit automatisch so, dass man sehr langsam kaut, sehr gut kaut und immer nur Minibissen zu sich nimmt. Das dauert jedes Mal so lange, dass ich das Besteck schon ganz von allein aus der Hand lege und versuche mit der Zunge und den Wangeninnenseiten den Speisebrei zu befühlen. Ist er gut genug eingespeichelt, zerkleinert und für den Magen vorbereitet?

Die Freude darüber, dass das Essen dann hoffentlich im Magen bleibt und die schrecklichen und wehtuenden Kreisbewegungen dort viel besser werden, stimmen mich zuversichtlich. Auch das Sodbrennen ist mit Nahrung im Magen viel besser. Der Reflux ist dann wie weggeblasen. In der vorletzten Nacht erlitt ich noch einmal die Hölle. Trotz 4 Kautabletten Maaloxan wollte der Reflux nicht aufhören. Ich quälte mich über Stunden im Bett hin und her und bei jeder Umlagerung dachte ich, jetzt ist es besser, jetzt hast du Ruhe. Doch nach wenigen Augenblicken ging der Höllenritt von vorn los. Ich stand auf, ging ein paar mal im Zimmer auf und ab und wechselte für eine Stunde auf die Couch ins Wohnzimmer. Hier, halb im sitzen schlafend, wurde es allerdings auch nicht besser. Ich trank einige Male etwas Wasser, welches aber zu eher noch mehr Sodbrennen führte und mir den metallisch, ätzenden Geschmack der Salzsäure wie in einem Schlauch von unten nach oben drückte. Wie in schwankenden Bewegungen immer rauf und runter und mein Gesicht verzog sich dabei, weil zwar die Säure nicht bis nach ganz oben kam, wohl aber der verhasste, grässliche Geschmack wie der Hauch des Todes über meiner Kehle aufwölkte.

Plötzlich verspürte ich ein Hungergefühl und mein 7. Sinn ließ mich etwas völlig irrationales begehen. Ich ging in die Küche und öffnete mir ein Glas Obstbrei, den sonst eigentlich nur Kleinkinder als Nahrung bekommen. Ich konnte genau 2 Teelöffel davon nehmen und war sehr verwundert, wie Kinder einen solch ekeligen Geschmack haben können, denn dieser Brei schmeckte so gar nicht nach Obst. Egal, welcher Teufel mich in diesem Moment geritten hatte, in meiner derzeitigen übersäuerten Lage auch noch Kinder-Obstbrei zu essen, die Behandlung half stehenden Fußes. Kaum das ich den zweiten Löffel hinunter geschluckt hatte, kam mit einem großen Blubb ein riesen Schwall schäumender Gischt aus meinem Halse heraus. Gott sei Dank stand ich in der Nähe des Waschbeckens, so ging wenigstens nichts daneben und ersparte mir noch eine nächtliche Putzaktion. Es war nur dieser eine Schwall, doch er war befreiend, als hätte ich einen Schwall Wasser hinaus gespien, das mich sonst ertränkt hätte.

Der Reflux hörte sofort auf und die Wogen und Wellen im Magen glätteten sich. Nichts schwappte mehr in mir herum und ich konnte wieder beruhigt durch atmen. Ich spülte schnell das Übel in der Spüle den Ausguss hinunter und beseitigte alle Spuren meiner Aktion. Dann ging ich erschöpft zurück ins Bett und konnte beruhigt noch einmal 4 Stunden schlafen gehen.

Der gestrige Tag verlief dann wesentlich besser. Zum ersten Mal konnte ich eine kleine Scheibe Toast mit etwas Butter in mir behalten. Er schmeckte köstlich und der wohlzerkaute Brei umschmeichelte den Spatz, das er nur sehr sanft in meinem Magen hin und her drehte. Mit etwas Essen im Magen geht es viel leichter. Meist jedenfalls. Ich muss nun ausprobieren, was geht und was nicht geht. Aber dazu ist ja auch noch genügend Zeit. Ich bin heute bei Tag 5 mit Ballon angekommen und Vorgestern noch hätte ich gesagt, „Nie wieder!“. Doch heute bin ich völlig anderer Meinung. Das es kein Spaziergang werden würde, wo ich schon immer einen empfindlichen Magen habe, war mich ja klar. Aber sich etwas vorstellen, wie es dann sein wird und etwas zu durchleben, live, das sind dann doch zwei unterschiedliche Dinge.

Stand heute habe ich bereits 7 Kilo meines Ausgangsgewichtes verloren. 7 Kilo die ich mal mit großem Genuss zu mir genommen habe und nun mit großen Schmerzen verloren habe. Es hat sich aber dennoch gelohnt, auch wenn ich weiß, dass es nur die ersten und leichteren Kilos damit verloren habe. Die, die richtig schön fest sitzen, die werden nicht so schnell gehen werden.

Ich bin mir dessen auch sehr sicher, dass es bisher nur der absolute Anfang gewesen ist. Ich bin meinen Weg noch nicht sehr weit gegangen und bis jetzt nur über die erste Schwelle gekommen. Aber jeder auch noch so weite Weg beginnt immer mit dem ersten Schritt.

Ich hoffe keinen von Euch, der sich mit dem Gedanken befasst, sich einen Magenballon legen zu lassen, mit meinen Ausführungen zu vergrämen. Ich möchte Euch keines Wegs davon abbringen, diese Tortur nicht am eigenen Laib zu durchleben. Es lohnt sich! Bleibt tapfer und lasst Euch nicht beirren. Metamorphose tut nun einmal weh.

Ein sehr schönes Gefühl ist es, zu sehen, dass man mit nur 3 bis 4 Esslöffeln satt sein kann. Eine Scheibe Toastbrot kann schon mehr als genug sein und dich für Stunden sättigen. Das sind völlig neue Dinge für mich, die mich doch sehr angenehm überraschen.

So wünsche ich Euch guten Gedanken, schöne Momente und ein schönes Herbstwochenende mit viel Sonnenschein und Energie!

Bis bald, Euer Stephan

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

2 Kommentare zu „Tag 5 und es wird gaaaanz langsam besser“

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