Ballon-Bulimie

Liebe Follower hier kurz ein Update zu gestern:

Es gibt in der Phase, in der ich immer noch teste was ich so essen kann, ein kleines Update zum Abendessen.

Hunger ist ein Gefühl, dass normaler Weise aus dem Magen heraus, oft begleitet durch Grummeln oder Knurrgeräuschen dem Hirn signalisiert, dass Nahrung nachgefüllt werden kann.

Wenn man Magenballonträger ist, zeigen sich ganz andere Gefühle und Signale, da durch den Ball immer eine gewisse und nicht gerade geringfügige Menge im Magen vorhanden ist. Ich verspüre hier ein heftiger werdendes Ballspiel aus der Mitte des Bauches heraus. Der Magen fängt an, den Ball zu drehen und hin und her zu schieben. Außerdem überkommt mich ein Durstgefühl und ich merke, wie mir plötzlich immer kälter wird.

Diese Symptome kann man leider nicht übergehen, denn sie werden von Minute zu Minute heftiger und das einschleichende „Unwohlsein“ wird zunehmend unerträglicher.

Ich habe jetzt in diesem Moment verschiedene Dinge ausprobiert:

  • Ich trinke einfach nur mehr – hat zur Folge, dass das Unwohlsein sich verstärkt und die Ballspiele im Magen noch heftiger werden!
  • Ich esse etwas – hat zur Folge, dass ziemlich rasch das Ballspiel aufhört und sich der Magen beruhigt.

Bei den genauen Zeitabständen experimentiere ich noch. Laut ärztlicher Aussage sollte man allerdings darauf achten, gut 3 Hauptmahlzeiten und 1 – 2 Zwischenmahlzeiten, über den Tag verteilt, zu sich zu nehmen.

Gestern jedenfalls, habe ich dann Abendbrotgegessen und mir 3 EL Möhren-Kartoffel-Sellerie Stampf und eine sehr kleine ca. 12cm grobe Bratwurst dazu gegönnt. Diese sollte meine erste Mahlzeit nach einer Woche sein, die wieder etwas mehr festere Bestandteile hat, als nur Breikost.

Übrigens, Trinken sollte man tunlichst ca. 30 Minuten vor und nach dem Essen vermeiden, da es sehr schnell dazu führen kann, dass man alles sehr schnell ausspucken tut.

Und glaubt mir! Das Ausspucken geht dann wirklich rasant schnell und oft ohne Vorwarnung!!!

Ich war sichtlich stolz darauf, die Portion Bratwurst, die ein absoluter Hochgenuss war, geschafft zu haben! In gewohnt neuer Manier verspeiste ich dieses krosse, nach frischen Bratspuren riechende, braungebratene Meisterwerk der deutschen Metzgerskunst und ließ Bissen für Bissen die einzelnen Geschmacks- und Bestandteile des Bio Schweinefleisches auf meiner Zunge zergehen. Immer alles sehr gut kauend, in meditativer Haltung. Hierbei sei nicht nur die gute Qualität der Zutaten, sondern auch die fachgerecht gelernte hingebungsvolle Zubereitung meines Mannes zu loben, denn dieser hat sich eigens für mich an den Herd gestellt, um mich mit solcher kulinarischen Köstlichkeit zu verwöhnen. Vom Püree konnte ich leider nur 2 Esslöffel verspeisen, ich schaffte einfach in der mehr als 30 Minuten dauernden Mahlzeit nicht mehr zu vertilgen.

Gespannt wartete ich nach dem Mahle, was wohl mein Bauch so mit der Bratwurst anfangen würde. Zunächst verlief der Akt der Verdauung seinen gewohnten gang. Ich war selig gesättigt und stolz, dass es nun wieder aufwärts gehen würde. Endlich könne ich wieder alles Essen und mein Kreislauf würde sich ab nun schneller regenerieren. Doch weit gefehlt! In den kommenden 60 Minuten verspürte ich mehr und mehr Unbehagen in der Bauchmitte und ich fing an aufzublähen. Statt 100 g Püree und eine kleine Bratwurst, so fühlte es sich jetzt an, hab ich wohl ein halbes Schwein und 10 Kilo Kartoffeln und Gemüse verdrückt. Mir wurde speiübel und dann musste mich auf der Toilette wieder einmal erleichtern.

Im hohen Bogen, ich erspare Euch weitere Einzelheiten an dieser Stelle, entledigte ich mich des Buffets. Alles ging sehr schnell von statten, da ich ordentlich eingespeichelt hatte. Die Mengen waren erschrocken groß, denn was mir nicht so bewusst war, hat der Magen zwischenzeitlich eine riesengroße Menge an Magenschleim und -säure produziert. Jedenfalls kam deutlich mehr aus mir heraus, als ich vor 60 Minuten noch hinein gab.

Im gleichen Moment, als ich mir den Mund säuberte und ich das Stückchen Papier über die Lippen strich, ging es mir schlagartig besser. Als wäre nichts gewesen. Ich konnte mich plötzlich nur noch an den unglaublich befriedigenden Geschmack des herrlich leckeren Essens erinnern!

Glücklich erleichtert kehrte ich zu meinem Mann zurück und verkündete ihm, dass meine Ballon-Bulimie zugeschlagen hat und jetzt wieder alles gut ist.

Durch Scheitern Wissen erweitern!

Eigentlich wollte ich ja erst nächste Woche wieder schreiben, aber ich dachte, gerade diese kleinen Erfahrungen sind für Menschen, die sich mit dem Thema Magenballon beschäftigen, ein Quell der Infos für die erste Zeit.

Ihr dürft mir gerne wieder Kommentare hinterlassen und mit mir in einen Austausch treten. Ich freue mich über all Eure Zuschriften und halte Euch weiter auf dem Laufenden.

Euer Stephan

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

3 Kommentare zu „Ballon-Bulimie“

  1. Lieber Stephan,
    besten Dank für deine außerordentliche Dreingabe zum Blog. Du schreibst selbst die stressigsten Momente in derartig lustiger Form, dass man unwillkürlich gereizt ist, im gleichen Stil zu kommentieren. Also mache ich das so.

    Als Ballonträger sind wir, also du und ich, Brüder in mehrfacher Hinsicht. Zunächst bin auch ich ein „Träger“, nämlich ein „Hodenträger mit Hosenträger“; nicht schwul, aber dennoch ein anständiger Kerl. Zum anderen trage ich mein Übergewicht ebenfalls in Form eines Ballon, welcher idealerweise ein einigermaßen normalgeformter Bauch sein sollte. Meine Proportionen sind eigentlich ziemlich stimmig, mit Ausnahme eben dieses Teils. Insofern kann ich mich sehr gut in dich hineindenken.

    Soviel zur Einleitung und kurzen Selbstvorstellung.

    Kommen wir nun zu deinem unerwarteten Wiedersehen mit der kleinen Bratwurst.

    Als Laie sollte man ja denken, dass eine Bratwurst – dank ihres naturgegebenen Fettgehalts, dem „Ballon Spatz“ eine förderliche Schmierung verschafft, so dass dieser wohlgelaunt und zufrieden seine Runden dreht. Aber auch hier sieht man, wie man sich täuschen kann. Der Mensch denkt und Spatz lenkt oder so ähnlich.

    Nach der Lektüre deines Speiseplans drängt sich mir die Frage auf, was dir der Spatz so übel genommen hat. War es die Mischung aus Kartoffel, Gemüse und gemahlenem Schwein, oder war es einfach zu viel für den kleinen Kerl, so dass er aus Platzangst einen Verdrängungswettbewerb veranstaltete? Wir werden es wahrscheinlich nie mehr mit Sicherheit erfahren. Was wir aber feststellen, ist die Tatsache, dass diese von dir bezeichnete Bulimie („Bulle mie“ würde auch passen) schon so gediehen ist, dass bereits eine Eigenreflexauslösung von statten gehen kann.

    Was dein sehr eindrücklich beschriebenes Unwohlsein betrifft, so ist dein wohlmeinender Leibkoch nun vorgewarnt. Andererseits kann natürlich eine Aufblähung, wie du sie beschreibst, den Gang zur Toilette begünstigen, indem du „rollender Weise“ diesen Ort erreichst.
    Was den „hohen Bogen“ betrifft, so empfehle ich aus eigener, früher gemachten Erfahrungen die „Trichtertechnik“, die zwar zunächst den unschätzbaren Vorteil aufweist, dass es tatsächlich keines Trichters bedarf, jedoch auch einen Nachteil hat, dass diese Art sinnvoller Weise auf Knien anzuwenden ist. Förderlich ist auch hier die zuvor üppige Einspeichelung des genossenen Gerichts.
    Diesbezüglich schriebst du: „Jedenfalls kam deutlich mehr aus mir heraus, als ich zuvor noch hinein gab. Unwillkürlich dachte ich: ja , so ist das bei Schwangerschaften.

    Was nun deine Feststellung betrifft, „ durch Scheitern Wissen erweitern“, darf ich doch erkennen, dass immerhin, nach durchstandener Prozedur, ein Fazit mit positivem Charakter zurückgeblieben ist. Ein wohliger Gedanke, ein Nachgeschmack der von liebender Hand bereiteten Bratwurst, der dir hoffentlich noch eine geraume Weile in guter Erinnerung bleibt.

    Mit einem lieben Gruß
    Wolfgang

    Intern:
    Stephan, ich hätte gerne etliche Sätze mit einem Smiley versehen, finde aber hier keine Funktion. Kannst du das für mich übernehmen? Es können – je nach Spaßfaktor, auch mehrere hintereinander sein. Danke.

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Wolfgang,

      da muss ich ja wirklich schmunzeln und dir mal rechtherzlich für deine lieben Kommentare danken!
      Es freut mich sehr, wenn dir mein Schicksal solch großes Vergnügen bereitet, oder sind es doch nur die literarischen Ausführungen?

      Den Nerv der Zeit zu treffen ist nicht immer einfach, aber im Geiste sind wir wohl Seelenfreunde! Das gefällt mir.

      By the way…..
      Ich überlege meinem Leibkoch doch wieder das Zepter am Herd zu entnehmen, da ich gestern eine erneute Bulimie Arie mit seinem Essen erfahren musste.
      Diesmal war es lediglich gedünsteter Blattspinat und ein ohne Fett gebratenes Rührei, von dem ich allerdings nur die Hälfte schaffte. Insgesamt waren es aus dem halben Rührei also nur 2 Esslöffel Spinat.
      Es dauerte diesmal eine ganze Stunde länger, aber ich hielt es auch diesmal nicht aus.

      Ein Gang zum Klo, um deine Trichtertechnik bei der Übergabe des Vorverdauten auszuprobieren, waren unausweichlich.
      Auch diesmal ging es mir im selben Moment besser, in dem ich die Spülung betätigte und mit einer Träne im Auge das doch leckere Abendessen seinem Abgang zu führte.
      Ich habe leider den Verdacht, dass ich momentan nichts Warmes zu mir nehmen kann. Weder Tees, noch warme Mahlzeiten.
      Toast mit leichtgesalzener Butter und Frischkäse, so wie Salzstangen und Obst vertrage ich hervorragend. Da gibt es keine Probleme mit dem Ballon.

      Jedenfalls hab 1000 Dank für deine lieben Kommentare!
      Ich verspreche, bald kommt wieder lohnenswertes für Dich und ich werde mir größte Mühe geben, meinem Schreibstil treu zu bleiben.

      Ach ja, leider ist es hier nicht möglich, Smilies einzufügen, sorry!

      Herzlichste Grüße aus Berlin

      Stephan

      Gefällt mir

  2. Lieber Stephan,

    I am very amused, dass dir meine Kommentare gefallen und dabei wünsche ich mir, dass der humoristische Stil auch den weiteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Blogs zur aufbauenden Lektüre wird.

    Nein, dein Schicksal macht mir nicht wirklich Freude, deine Abnahmeerfolge aber schon!. Ich wäre ja sonst ein Sadist und diesen Eindruck möchte ich unter allen Umständen vermeiden. Ja, die literarische Neigung will zuweilen ein bisschen gehätschelt werden, das gebe ich gerne zu.

    Dass du deinen Leibkoch nicht gefeuert – sondern lediglich sein Zepter in die Hand genommen hast, könnte gut für beide sein, denn der arme Kerl wird dir für die Zeit deiner “Schwangerschaft mit Spätzchen” bestimmt nichts recht machen können.

    Die “Aufenthaltsdauer” der von dir genossenen Speise ist im Grunde genommen recht akzeptabel, auch wenn die Art der “Essensausgabe” zuweilen mit Tränen verbunden ist, wie du schriebst. Ich habe gehört, dass der weitaus größte Teil der Speise innerhalb ca. 20 Minuten Nährwert-verwertet ist. Also mach dir keine Sorgen, du wirst nicht vom “Stängele fallen”, wie wir Schwaben sagen.

    Ach ja, ich freu mich, dass meine empfohlene “Trichtertechnik” so erfolgreich von dir angenommen wurde. Wilhelm Busch sagte dazu mal die Worte: “Er ist folgsam, weil er muss”. (“folgsam” wurde in diesem Beispiel ausgetauscht gegen den Begriff “sittsam” und ist ein Hinweis auf das Altern des Mannes in sexueller Hinsicht.)

    Wenn du nun berichtest, dass Toast, leicht gesalzene Butter, Frischkäse, Salzstangen und Obst vertragen wird, bin ich doch schon mal ganz beruhigt. Es werden weitere Ingredienzien folgen. Probiers mal mit Mozzarella. Ich lese immer wieder in Berichten von AC-Operierten, dass damit eine sehr verträgliche Möglichkeit der Essensvielfalt gegeben ist.

    Wie erfolgreich war übrigens der Hinweis mit den gelutschten Eiswürfeln?

    So Stephan, jetzt haste wieder ein paar Gedanken, an die du anknüpfen kannst. Dir und deinem geduldigen Leibkoch einen angenehmen Abend wünschend, verbleibe ich als dein amüsierter User

    Wolfgang

    NS.

    Bei uns hier im Schwabenländle hat der Leibkoch (ich) heute neuseeländische Lammlachse in Curryrahmsoße mit Kartoffelpüree und Bohnensalat gereicht. Englisch gebraten war das Lamm so zart, dass ich Mühe hatte, eine ausreichende Einspeichelung hinzukriegen. 🙂

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