Schachmatt

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Follower und Interessierte,

heute genau ist mein Magenballon 21 Tage in mir drinnen. Hier nun ein trauriges Update der letzten Woche:

Wie Ihr in meinem letzten Bericht lesen konntet, ging es immer wieder auf und ab mit meiner Gesundheit und der Verträglichkeit mit dem Magenballon. Mein Arzt hat im Ultraschall festgestellt, dass ich im oberen Bereich des Darmes, also dort, wo der Dünndarm an den Magenpförtner anschließt, Verengungen und Verstopfungen aufwies. Hierdurch konnte der Magen den Speisebrei und die Flüssigkeiten, sprich Nahrung, nicht mehr weiter transportieren. Die Bakterien und Faulgase aus dem Darm drückten den Mageninhalt also immer wieder nach oben, wo sie Druck aufbauen konnten. Das waren dann die heftigen Blähungen im Magen, die mir so übel zugesetzt hatten und den Druck aufbauten, der dann den Inhalt nach oben hinaus katapultierte.

Zunächst schien es so, als wenn die Abführmittel Erleichterung schaffen würden und der Inhalt wieder in die richtige Richtung befördert werden konnte. Leider war der Erfolg nur von geringer Dauer, denn nach 2 Tagen hatte ich die selben Probleme und einen erneuten Darmverschluss im selben Bereich. Also wieder Abführmittel, doch mittlerweile bestand meine einzige Ernährung nur noch aus Flüssigkost, sprich klarer Brühe und Wasser, bzw. mittlerweile auch wieder Tee. Selbst diese Dinge schien ich nicht mehr richtig zu vertragen.

Seit Mittwoch vergangener Woche quälten mich erneut heftige Sodbrennen und Refluxbeschwerden. Ich habe keine Nacht mehr ordentlich durchschlafen können und mich unzählige Male an den aufsteigenden Magensäften verschluckt. Heftiger Hustenreiz plagt mich seitdem und mein Kreislauf fährt zunehmend in den Keller.

Auch das Wochenende war ein einziges Auf und Ab. Mal ging es gut, mal ging es schlecht. In der Gesamtbilanz der letzten drei Wochen stehe ich aber immer noch am Anfang und sehe momentan keine wirkliche Besserung.

Tief in mir drinnen verspüre ich eine heftige Abwehrreaktion gegen diesen Ballon. Mein Körper kämpft mit allen Mitteln, diesen Fremdköper so schnell als möglich loswerden zu wollen. Selbst unter hoher Medikation von Refluxhemmern und Säureblockern, ebenfalls mit der Einnahme von Basenbildern, kommt mein Magen nicht zur Ruhe. Er produziert im Akkord Magensäure und knetet im 24 Stunden Takt am Ballon herum. In immer kürzer werdenden Abständen drückt er den Ballon mit allen Mageninhaltes nach oben und versucht ihn so aus mir heraus zu pressen. Dieses Drücken und Schieben und einsäuern ist derart unangenehm, dass ein „sich beruhigen und ablenken“ nicht möglich ist.

24 Stunden wird man durch diesen Kampf in der Mitte des Körpers daran erinnert, dass da was raus muss. Meine Konzentration lässt zunehmend nach und ich bin von Tag zu Tag kraftloser auf den Beinen. Spaziergänge, Filmchen schauen und anderwärtige Ablenkungen sind mittlerweile undenkbar geworden. Die Schlacht kostet nach jedem mal kotzen mehr Kraft und ich bin psychisch nur noch ein Wrack. Am Ende meiner Kräfte, verwundet und geschlagen.

Nachdem die letzte Nacht erneut schlaflos und im Kampf der Säureattacken rastlos war und ich nach dem widerholten Male Erbrechen tränenüberströmt versucht habe wenigsten ein Glas Wasser in mir zu behalten, entschloss ich mich die weiße Fahne zu schwenken und zu kapitulieren.

Ich gebe mich geschlagen und werde das Projekt Magenballon aufgeben.

Mir fehlen einfach die Kräfte, der Mut und die Hoffnung, dass dieser Zustand auch nur einigermaßen erträglich werden könnte. Ich gehe nun in die vierte Woche meiner Krankschreibung und es ist nicht im Geringsten zu ersehen, ab wann eine Besserung eintreten könnte.

Nach einem ausführlichen Telefonat mit meinem zuständigen Arzt habe ich die Entscheidung getroffen, mir den Magenballon so schnell als möglich wieder entfernen zu lassen. Ich sitze jetzt hier wie ein Häufchen Elend und warte darauf, dass mein Arzt mich zurückruft und mir den Termin für die Entnahme des Ballons bekannt gibt. Aller Voraussicht nach könnte es heute Nachmittag noch klappen. Kann aber auch sein, dass er keinen Anästhesisten findet, dann wird der Eingriff morgen oder übermorgen vorgenommen.

Bei der Entnahme des Ballons wird der Arzt dann auch feststellen können, wie es mittlerweile in meinem Magen aussieht und eventuell mehr darüber aussagen, warum ich den Spatz 3 nicht vertrage. Ihm persönlich ist eine solch heftige Reaktion bisher in seiner 20 jährigen Erfahrungszeit noch nicht vorgekommen.

Wie Ihr seht, hat mein Projekt Magenballon nun eine traurige Wendung genommen und ich bin froh, alles so genau wie möglich aufgezeigt und veröffentlicht zu haben. Ich möchte mit dieser eigenen Geschichte und Erfahrung, Menschen, die sich mit dem Gedanken tragen sich einen Magenballon implantieren zu lassen, weder ZU noch AB raten!

Meine Reaktion auf den Ballon ist allein meine Reaktion und jeder verträgt den Magenballon anders. Was ich durch gemacht habe muss nicht heißen, dass Ihr das Gleiche durchmachen müsst. Bei vielen ist es nur die ersten drei bis 5 Tage schlecht. Ich habe aber auch Berichte von Leuten gelesen, die ihn gar nicht vertragen haben und sich den Ballon auch früher haben wieder ziehen lassen.

Die Entscheidung fällt mir ehrlich gesagt, aufgrund der hohen Summe, die ich dafür selber habe zahlen müssen, nicht einfach. 4.300,- Euro sind eine teure Erfahrung für 3 Wochen Tragdauer und 13 Kilo Gewichtsverlust! Ziel war es, mit dem Magenballon die üblichen 30 bis 35 Kilo in einem Jahr zu verlieren.

Aber ehrlich gesagt, ist es mein Körper und meine Gesundheit, mit der ich gerade spiele. Die Erfahrung, die ich damit jetzt gerade gemacht habe, stimmt mich zwar wegen des Scheiterns traurig, sie zeigt mir aber auch, dass es bestimmt noch andere Wege gibt, mein Ziel zu erreichen.

Ich bin nicht gestorben in diesem Kampf, ich bin lediglich in die Knie gezwungen worden. So lange ich noch lebe, werde ich auch wieder aufstehen, mein Krönchen richten und weiter gehen.

Es gibt noch so viel mehr Wege und ich wette einer davon führt mich zu meinem Ziel. Schließlich habe ich schon viele Schlachten in meinem Leben gewonnen und bestanden. Warum also nicht auch diese!?

Bleibt dran, wenn Euch interessiert, wie es weiter geht.

Ich werde auch weiterhin berichten, wann der Ballon heraus kommt, wie meine Genesung verläuft und wie ich weiterhin versuchen werde, meine Leber zu retten und zu unterstützen, damit ich der Leberzirrhose entkomme.

Vielen Dank für Eure Treue!

Euer Stephan

Autor: Die Anonymen Ukuleliker

Hallo, wir sind die Kultband aus Berlin!

4 Kommentare zu „Schachmatt“

  1. Lieber Stephan! Es stimmt mich wirklich traurig zu lesen, dass es dir so schlecht geht! Ich hätte dir wirklich von Herzen gewünscht, dass es ein besseres Ende findet. Aber ich finde es wirklich beeindruckend wie lange du dich durchgekämpft hast und wie viel Ehrgeiz du trotz dieser widrigen Umstände gezeigt hast! Ich bin sehr stolz auf dich und drücke dir die Daumen, dass du mit der gelernten Disziplin und deinem unglaublichen Willen den Kampf gegen die Kilos weiterhin erfolgreich führen wirst! Liebe Grüße, Nora

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  2. Lieber geschundener Stephan,

    ganz vorneweg gratuliere ich dir zu deinem Entschluss, den Ballon entfernen zu lassen.
    Es war ein Versuch und nicht jeder Versuch ist im Leben erfolgreich. Ich sehe deinen Eingriff als eine Erkenntnis an, die dich klüger gemacht hat. Den finanziellen Betrag wirst du irgendwann verschmerzt haben. Die Entfernung des Ballons sehe ich nicht als verlorene- oder gewonnene Schlacht, sondern als die folgerichtige Entscheidung deiner Erfahrung.

    Was ich dir für zukünftige gastroenterologische Eingriffe empfehle, ist die Zusammenarbeit mit einem qualifizierten, bzw. zertifizierten Adipositas-Zentrum. Nicht wegen der Qualifikation allein, sondern wegen Folgeeingriffe bei Problemstellung wegen OP etc. Folgebehandlungen nach privat veranlassten Eingriffen werden normalerweise von der Krankenkasse nicht bezahlt. Diesbezüglich ist also Vorsicht angesagt. Dass sich viele Hilfesuchenden z.B. in Osteuropa operieren lassen, habe ich immer mit Beklemmung gelesen. (In Prag soll es Ballon-Einsetzung ab 1.600 Euro geben). All diesen Frauen und Männern wünsche ich, niemals in zwingende Nachbehandlung in Deutschland kommen zu müssen. Zwar darf medizinische Hilfe hierzulande nicht verweigert werden, aber das Theater hinterher könnte heftig sein.

    Deine Motivation und dein Ziel ist absolut nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar war für mich dein Weg. Meine Recherchen zur Gewichtsreduzierung gehen auf die neuziger Jahre des letzten Jahrhundert zurück. Schon um das Jahr 2000 war die Ballon-Technik bekannt. Sie hat sich aber schon deshalb nicht bewährt, weil das Hungergefühl nach Entnahme stets zurückgekommen ist und letztlich meist einen anderen bariatrischen Eingriff nach sich zog. Weshalb der Ballon wieder derart in Mode kam, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wer mich zum Ballon befragte, dem würde ich, aufgrund der bekannten Sachlage unter Fachleuten, abraten.

    Aber lassen wir das, lieber Stephan, Schnee vom vergangenen Jahr muss man nicht zwangsläufig in die Länge diskutieren.

    Nach erfolgreicher Entnahme deines Spatz´ wirst du Gelegenheit haben, das wunderbare Gefühls eines warmen Zitronen-Mellissen-Tees zu genießen. In dezent gewürzter Fleischbrühe wirst du gedünstete Zucchini, Kohlrabi und Karotten vom Biobauern genießen und dein Partner wird die zarten Fleischstücke, die dir anfänglich noch nicht bekommen, mit Hochgenuss verspeisen. Kühler Naturjogurt wird sanft deine Speiseröhre hinuntergleiten und zufrieden und dankbar wirst du neue, verträglichere Möglichkeiten deiner Lebergenesung eruieren.

    Dass du deine Bloggemeinde, wie auch die Forengemeinde von Adipositas24 so ausführlich und ehrlich unterrichtet hast, ist sehr ehrenwert. Dafür herzlichen Dank. Es war auch wohltuend, dass du bei aller Pein den Humor nicht verloren hast. Respekt!

    Dem fachlichen Unterricht deines derzeitigen, privaten Facharztes kannst du ja beruhigt zuhören, aber seine Argumente würden mich – nach allem was ich in deinem Blog las – nicht mehr überzeugen. Ich hatte zwar gehofft, dass du mit dem Entschäumer ein Großteil deiner Probleme losgeworden wärest, allein die Hoffnung trog.

    Nun bin ich sehr gespannt, wie die Sache mit dir weitergeht und was du mit dem Spatz machst. Diesen Teufel würde ich, gut gefüllt, in Acryl gießen und gelegentlichen Besuchern zur Bewunderung präsentieren.

    Lieber Stephan, bleib uns verbunden und lass uns auch weiterhin an deiner Gesundung informativ teilnehmen.
    Herzlich Wolfgang

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